Encoding mit Windows Media Encoder 7.01

Der Encoder stellt einen Assistenten zur Verfügung, der durch die weiteren Schritte führt. Der Codiervorgang heisst hier Sitzung (Session).

 
   
  Zu Beginn wird die Art der Kodiersitzung festgelegt - hier das Konvertieren einer Videodatei in das Windows Media Format. Die beiden anderen Optionen sind zum einen der AV-Input von einer Kamera (oder VCR) für das Live-Broadcasting über einen Mediaserver. Hier kann endlich auch über die Firewireschnittstelle von einer DV-Cam gecaptured werden. Eine weitere Quelle stellt der Screen Capture-Modus zur Verfügung, wobei Bildschirminhalte und -abläufe in das WMV-Format umgewandelt werden.  
   
  Als nächstes werden die Quelldatei, sowie der Speicherort der Ausgabedatei bestimmt.  
   
  Nun kann zwischen den 2 Übertragungsarten gewählt werden: Über Windows Media Server oder über einen normalen Webserver:  
   
  Beim Windows Media Encoder heissen die voreingestellten Parameter für die Kodierung "Profile".  
   
  Ein ausgewähltes Profil kann ohne Weiteres übernommen werden, aber natürlich auch detailliert bearbeitet und an die eigenen Ansprüche (und die der Zielgruppe) angepasst werden.  
   
  Es können mehrere Bandbreiten in einer Datei festgelegt werden, was der SureStream Multi-rate-Technik bei Real entspricht. Für die Übertragung ist dann zwingend ein Media Server notwendig.  
   
  Bei der Vielzahl an Einstelloptionen besteht durchaus die Gefahr sich zu verzetteln. In der Regel reichen die voreingestellten Profile völlig aus. Einzig die Bildgröße (Framesize) sollte man sich ganz genau überlegen, da dadurch das Encodingergebnis (die Dateigröße) entscheidend beeinflusst wird!
Bei den Audioeinstellungen muss experimentiert werden:
 
   
  Sinnvollerweise nutzt man die neuesten Codecs (hier V 8), da damit das Encoding deutlich effizienter ist. Für Abwärtskompatibilität empfielt sich der V 7-Codec, den auch der alte Media Player 6.4 abspielen kann. (Der in der Liste aufgeführte V 1 wäre übrigens ein korrekter ISO-konformer MPEG 4-Codec, der neuere V 3 ist schon nicht mehr zum offiziellen MPEG-Standard kompatibel - faktisch sind jedoch beide veraltet.)  
   
  Weitere Einstellmöglichkeiten betreffen die Puffergröße (der Sinn dieser Einstellung wird wie alle anderen sehr gut vom Assistenten erläutert).  
   
  Sehr wichtig ist die Einstellung der Framerate (für die Dateigröße!), die im Normalfall auf 15 Bilder pro Sekunde (15 fps) gesetzt wird. Die oft voreingestellten 30 fps sind in unserer PAL-Welt sowieso ein Anachronismus.  
   
  Nach Eingabe der Infodaten können die kompletten Einstellungen nochmal überprüft werden.  
   
     
   
  In diesem Fall ist es eine typische Einstellung für eine Modembandbreite. Mit Klick auf "Fertig stellen" öffnet sich der Encoder-Screen und das Encoding startet.  
   
  Im unteren Bereich sind alle Daten übersichtlich dargestellt. Am Ausgabescreen kann bereits die Qualität des codierten Videos begutachtet werden. (Die Kammartefakte des Originals haben hier nichts mit der Interlace-Problematik zu tun, sondern resultieren aus einer "kaputten" MJPEG-nach-DV-Konvertierung!)  
   
 

Die Codierungsergebnisse werden noch mal angezeigt und das wars dann schon.

Im Media Player werden die Eigenschaften des Videos dann so angezeigt:

 
   
 

Der Media Encoder produziert nur WMA (Audio) und WMV (Video)-Dateien.

Die Option unter Extras/ Datei im Datenstromformat erstellen können wir zwar mal ausprobieren:

 
   
Aber im Infofenster lässt sich herauslesen, dass es sich hier um eine Servergeschichte handelt:
Aha - wir haben hier also eine ASF-Datei, von der so oft zu lesen ist. Ich kann sie ja mal abspeichern:
Im Mediendateianzeigeprogramm GSpot wird mir verraten:

Es handelt sich um ein ziemlich kleines Textfile, das nur teilweise lesbar ist. Der Media Player verarbeitet diese Datei auch, zeigt aber nichts an (denn wahrscheinlich braucht das File eine bzw. mehrere Referenzvideodateien auf dem entsprechenden Mediaserver oder was auch immer - die Firma M. ist hier äußerst unklar). Ehrlich gesagt nervt dieses asf-Ding nur. Praktisch ist es für uns heute als Produzenten bedeutungslos, da wir ganz normale WMV-Files produzieren, die sowieso streamingfähig sind. Bei ASF handelt es sich um das ursprüngliche Microsoft-Containerformat für Streaming Media, das noch aus der Zeit der Net Show Tools von ca. 1998 stammt, die auch ASF-Files erzeugen, indexieren und bearbeiten konnten (Net Show wurde dann in das aktuelle Windows Media umbenannt und die Windows Media Tools 4.1 inclusive Encoder 4.1 erzeugten praktisch nur das Streamingformat *.asf; - aus dieser Zeit, ca. 2000, als MS mit dem Media Player 6.4 und 7.0 begann, im Streamingmarkt mitzumischen, resultieren die meisten *.asf-Videos im Web). Diese Tools sind heute nur noch schwer zu finden!

Die Mediatools haben noch die Encoder für die alten Microsoft MPEG-4 Codecs. Aus dem V3 wurde der DIVX-Codec gebaut.

Tja, so sah das dann aus:



Zusammengefasst lässt sich dazu soviel sagen:
ASF bedeutete Advanced Streaming Format und ist heute nichts anderes als das WMV-Format. Microsoft verwendet aktuell in Dokumentationen die Bezeichnung ASF für Advanced Systems Format, entsprechende Dateien werden serverseitig generiert. Die bekannten Windowsmediaformate für Streamingdateien sind also aktuell *.wmv (Video) und *.wma (Audio).
Der Media Encoder 7.1 hilft in Bezug auf das ASF-Format nicht weiter, da er (außer in jener ominösen Datenstromoption) nur WMA- und WMV-Files ausspuckt. Für die Erstellung von ASF-Files braucht es nach wie vor die oben genannten Media Tools.
Der aktuelle Media Encoder 9 bietet mittlerweile wieder ein neues Tool, das *.avi-Dateien ausspuckt und als VCM ein Windows Media9-Codec ist - arbeitet aber nicht mehr unter 98 und ME, sondern benötigt zwingend XP.

WMV und WMA sind quasi die "nativen" Windows Media Formate. Mit diesen beiden arbeiten wir in der Praxis - die Media Encoder 7.1 und 9 geben diese Formate aus, und das effizient und gut. Die immer noch Verarbeitung zu ASF-Files stellt sich eher kompliziert dar: kennen sollte man da wie gesagt die Windows Media Tools und die entsprechenden SDKs, außerdem Progrämmchen wie Windows Media Stream Editor, Windows Media File Editor, Windows Media Create Writer, Windows Media ASF Viewer 9, und auch über Lizenzen sollte man sich kundig machen. Das ASF-Format ist demnach für Hardware- und Softwareentwickler gedacht, insofern also das Windows Media Format für Endgeräte ("Standalone").
Eher wichtig wiederum sind die Windows Media Metafiles: *.asx, *.wax und *.wvx. Hier handelt es sich um in XML-Syntax geschriebene Playlisten, also Textdateien, die Infos enthalten über den Videostrom und seine Präsentation, wobei ähnlich der SMIL-Technologie weitere Medien und - wenn auch eingeschränkt - URLs eingebunden werden können.
Das *.wpl-Format bezeichnet dynamische Playlisten und benötigt zwingend einen aktuellen Windows Media Server.
Eine typische Nutzung einer Metadatei ist eine Metadateiplaylist mit dem HTML View-Parameter.

Zurück zum Encoder: Selbstverständlich lässt sich auch eine benutzerdefinierte Sitzung absolvieren. Hier können (und müssen) alle Parameter der Reihe nach festgelegt und abgearbeitet werden:

   
  Entscheidend mehr Optionen bietet dieser Weg aber nicht.  
   
  Außer vielleicht eine Cropping (Beschneide-)funktion, was aber - wenn nötig - normalerweise im Schnittprogramm erledigt wird.  
   
  Die Karteikarte "Videooptimierung" ist da schon wichtiger:  
Unter Profil kann das/ die Profile bearbeitet werden:
   
 

Unter Ausgabe können direkte Eingaben für den Streamingserver eingetragen werden. Das weiss der Administrator bzw. der Hoster, da es sich um rein verwaltungstechnische Angaben handelt.

Selbstverständlich gibt es auch die Option, Livezuspielungen in einer Datei zu archivieren.

 
   
  Für Produzenten, die viel ähnlichen Content für verschiedene Zielgruppen bereit stellen wollen, ist die Batchverarbeitung des Encoders über DOS oder Skripte eine wichtige Option.  
 

Der Windows Media Encoder 7.01 ist der letzte Encoder, der mit Win 98 SE und ME läuft. Mit dem aktuellen Encoder 9 wird von Microsoft zwingend XP oder 2000 vorausgesetzt.
Was bedeutet dies:
In der Version 7.01 ist bereits der V 8 - Codec enthalten. Der aktuelle V 9 - Codec mit einer Reihe von Verbesserungen lässt sich also nur noch ab XP encodieren, - abspielen aber auf allen Systemen mit dem Media Player 9 (der ab 98 SE lauffähig ist).
Normalerweise wird über den Player (= Decoder) auch der entsprechende aktuellste Codec mitinstalliert.

Der Media Encoder 9 erfordert nun definitiv das Ausschalten des Assistenten. Einige wichtige Einstelloptionen können nur benutzerdefiniert genutzt werden, überdies ist die Anzahl der Profile reduziert worden (was auch Vorteile hat).
Beim Encoder 9 sollte in den Sitzungseigenschaften unter der Karteikarte "Verarbeitung" zwingend die Option "Zeilensprünge vermeiden bzw. entfernen" aktiviert sein, da der V 9 halbbildorientiert zu arbeiten scheint (die alten Codecs waren reine progressive Codecs).
Näheres zur Interlace-Problematik hier

Fazit: Für Windows Media gilt (fast) dasselbe wie für Realvideo: passable Videoqualität gibt es erst ab 100k, besser noch 256k bei 320 x 240. Voreingestellte Profile sind also teilweise zu ändern, da dort z. B. WM8 für 100k noch mit 240 x 180 kombiniert ist. 320 x 240 sollten schon sein!!
Wer umfassende Abwärtskompatibilität will, soll mit dem V7-Codec arbeiten, der aber deutlich schlechter als der WM8 ist. Die Berechnung dauert merklich länger als bei Real, dafür sind die Dateien im Vergleich aber kleiner (ca. 20%!).
Im Gegensatz zum kostenlosen Real Player bietet der Windows Media Player u. a. einen Videoequalizer, mit dem im Nachhinein die Videodarstellung noch optimiert werden kann. Es spricht also einiges für Windows Media - die umfassende Plattformkompatibilität, die persönliche Möglichkeit, über Realserver zu streamen, und natürlich kritische Distanz zu Microsoft sind aber immer noch gute Gründe für Real.

 
     
     
 

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